pop-up stories

Im Rahmen des Festivals Aufstand der Geschichten“ von neue unentd_ckte narrative entstanden im November 2018 im Chemnitzer Stadtteil Sonnenberg „Pop-Up Stores“ zum Thema „Public Histories“

Der Ansatz „Public Histories“ konzentriert sich auf den öffentlichen Nutzen von Geschichte, der über die Aufbewahrung von Dokumenten und die akademische Bearbeitung des Feldes hinausgeht. Es geht darum, Geschichten außerhalb des Elfenbeinturms zu sammeln, zu erzählen und zu verbreiten. Im Fokus stehen dabei besonders diejenigen Geschichten, die bisher wenig oder keinen Raum in der offiziellen Geschichtsschreibung erhalten haben. Ziel ist dabei insbesondere die Inklusion von migrantischen Perspektiven in städtische Transformationsgeschichten.

„Pop-Up Stores“ sind temporäre Läden in leerstehenden Räumlichkeiten – Cafés, Restaurants, Shops – improvisiert und fernab von den offiziellen Einkaufsstraßen. Als solches sind sie Räume für Wiederbelebung und Experimente. Der Sonnenberg in Chemnitz war in den letzten Jahren ein Brennpunkt neonazistischer Aktivitäten (Stichwort: Rechtes Plenum). Überdurchschnittlich viele Menschen haben hier bei den letzten Bundestagswahlen die AfD gewählt. Der Sonnenberg ist aber auch ein Ort für Experimente, viele Kunst- und Stadtentwicklungsprojekte haben hier in den letzten Jahren stattgefunden.

Beide Ansätze zusammen ergeben „Pop-Up Stories“ – Experimentierräume, um Geschichten zu sammeln und zu verbreiten – in Form von Schönheitssalon, Spielehalle, Buchladen und Schreibwerkstatt. Sie befanden sich während des Festivals in Laufnähe, um miteinander zu agieren. Man konnte konsumieren, z.B. seine Haare schneiden, essen, Bücher kaufen. Man konnte reflektieren, z.B. in Spots und Talks den Macherinnen der Stores lauschen. Und man konnte mitmachen, z.B. in Workshops über Digital Storytelling.


Der Comic Store

Im Fokus der Ausstellung von Graphic Novels standen die unterschiedlichen Dimensionen und Auswirkungen von Migration und Flucht, die von Künstler*innen und Jugendlichen in unterschiedlichen Geschichten thematisiert und künstlerisch aufgearbeitet wurden. Ausgangspunkt der Geschichten sind Menschen, die von den Flucht- und Migrationserfahrungen ihrer Familie erzählen und berichten, welchen Einfluss dieses Schicksal auf ihr Leben genommen hat. Die ausliegenden Comics haben Themen von Holocaust bis hin zu Fluchtgründen und -geschichten, sowie Rassismuserfahrungen von Migrant*innen und Geflüchteten thematisiert.


Das Game Lab

Das Game Lab ist die spielerische Schnittstelle zwischen Erzählung, Medien, Kunst und Kommerz. Es wurde im gigantischen Ozean der digitalen Spiele gefischt und kostbare Raritäten gefunden. Egal ob man sie art games, docu games, non games oder alt games nennt, diese Spiele wollen berühren, aufwühlen, das Bewusstsein erweitern und drängen so an die Außengrenzen der Genredefinition. Als Pop-Up Spielhalle bot uns das Game Lab erfrischende Einblicke in das Medium, sein Potenzial und seine Zukunft. Zusätzlich zum spielbaren Sammelsurium waren Impulsvorträge unterschiedlicher Spielemacheri*nnen zu hören, die über ihre Projekte und Erfahrungen sprachen.


Der Beauty Salon

Köpfe, Haare, Hände, verspannte Stirnen und Schultern – her damit! Im »Grand Beauty Salon on Tour« haben Schönheitsexpert*innen mit Fluchtbiografie die Anwohner*innen und Festivalbesucher*innen zu verwöhnenden Behandlungen, Gesprächen und gemeinsamen Verweilen eingeladen. Orientalisches Make-Up, Fadentechnik zum Formen der Augenbrauen, Frisuren, Massagen. Wohlfühlen und sich über die liebsten Wellnessrezepte auszutauschen hat es möglich gemacht, sich auf neue Begegnungen einzulassen. Dabei wurden sowohl die jeweiligen Auffassungen von Schönheit hinterfragt als auch Fragen aufgeworfen, die unser zukünftiges Zusammenleben in unserer Gesellschaft betreffen.