aufstand der geschichten

Das Festival, welches vom 3. bis 11. November 2018 in Chemnitz stattfand, setzte dem „Ende der Geschichte“ (Fukuyama) einen „Aufstand der Geschichten“ entgegen. Der Fokus des Festivals lag auf Narrativen der Transformation, auf lokalen Wendegeschichten. Wir hinterfragten die Rahmung aktueller Debatten, in dem wir auf die Deutungen vergangener Umbrüche blickten. Die Leitfrage war: Welche Rolle spielen Erzählungen von vergangenen Umbrüchen für die Antworten auf aktuelle Fragen?

Das Festival findet im November diesen und nächsten Jahres statt, um den 9. November herum, weil sich hier viele Geschichtsnarrative treffen: der Fall der Mauer 1989, der Beginn der Novemberprogrome 1938, der Hitler-Ludendorff Putsch 1923, die Novemberrevolution, die Ausrufung der Republik 1918. Das Festival letztes Jahr blickte auf vergangene Umbrüche, das Festival dieses Jahr sieht auf Erzählungen über die Zukunft.

Das Figurentheaterstück „Aufstand der Dinge“ (Regie: Mirko Winkel) eröffnete das Festival. Im Fokus stand die Nachwendezeit – der Umbruch, der aktuell wohl am stärksten die politischen Debatten prägt. Das Stück erweckt Objekte aus der DDR-Zeit als Zeugen dieser Umbruchsphase. „Wenn mich einer fragte“ (Regie: Christoph Werner) holt den Ehrenbürger der Stadt Chemnitz, Zeuge vielfacher Umbrüche sowie Autor verschiedener Visionen, Stefan Heym auf die Bühne. Im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (smac) entwickelte der Budapester Künstler Szabolcs KissPál entlang der ausgestellten Objekte neue Erzählungen zu Kultur und Nation. In „Tage des Aufbruchs“ (organisiert von Spinnerei e.V.) beschäftigten sich verschiedene Künstlerinnen mit dem Wismut-Bergbau in der Region, welcher sich zwischen 1946 bis 1990 zum viertgrößten Produzenten von Uran weltweit entwickelte und exemplarisch für verschiedene Umbrüche in dieser Zeit steht. In „Pop Up Stories“ wurden im Stadtteil Sonnenberg leere Ladenzeilen reanimiert, um Geschichten von Migration über neue Ansätze des Storytellings wie Computerspiele, Graphic Novels oder Schönheitssalons zu sammeln und zu verbreiten. In der Schultheaterkooperation „WIR. Wie?“ bearbeiten Jugendliche aus Chemnitz, Zwickau und Hamburg mittels des biographischen Theaters die Frage, wie Wendegeschichten über Globalisierung bis hin zu Digitalisierung erzählt werden und entwickeln eigene Narrative für die Zukunft. Ein erstes Ergebnis des mehrjährigen Projektes war während des Festivals zu sehen sein. Darüber hinaus beteiligte sich das Festival an dem „European Balcony Project“ unter Leitung von Ulrike Guérot, Robert Menasse und Milo Rau. Zeitgleich mit anderen europäischen Städten haben wir am 10. November die Europäische Republik ausrufen – 100 Jahre nach des Ende 1. Weltkrieg und 100 Jahre nach Ausrufung mehrerer Republiken.

Begleitet wurden die Produktionen von einem umfassenden politischen Rahmenprogramm, welches die entfesselten Geschichten in aktuelle Debatten rahmte und verschiedene Perspektiven aus Kultur, Wissenschaft und Politik zusammenbrachte. Auf Spaziergängen erhielten die Besucherinnen des Festivals die Möglichkeit, die erlebten und diskutierten Erzählungen im Stadtraum zu erfahren.

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